Kaffeehäuser – und Priester und Ärzte: im Dienen oder im Dienst

Wir alle kennen Diener. Nicht nur die reichen Familien, die spitzen Politiker und die Königshäuser in Europa und anderswo, die mit der Wichtigkeit und Hingabe des Butlers täglich in Kontakt kommen, sind damit vertraut, was es heißt, zu dienen, denn nicht nur ein Butler ist ein Diener. Wir alle kennen Priester und Pastoren, Ärzte und Restaurants, die Dienen.

Es gibt reichlich Theologen, die sich berufen, auserwählt fühlen. Sie sehen sich als von Mächten ausgesucht, die höher sind, als die Macht, die durch Kredentialen von Universitäten entsteht und wodurch das Recht zu Predigen, Heiraten und Beraten geben ist. Es gibt reichlich praktizierende Mediziner, die ebenso sich auserwählt, von der Stimme der Humanität berufen fühlen, um Individuen, sowie Massen zu assistieren, die Gesundheit brauchen, sei es durch Medizin, Beratung, warme Hände, warme Herzen und/oder warme Augen. Sie vermitteln bessere Heilung, als die Jahre akademischer Ausbildung, Bemessungen und Konferenzen je lehren können, während sie darauf hinarbeiten, ein Doktortitel zu erlangen.

Es gibt auch reichlich Lokalitäten, wo das Essen für Fremde zubereitet wird. Dennoch, nur in manche dieser Restaurants und Cafés fühlen sich Fremde sofort wohl, gesegnet, daheim, und sind begeistert, weil das Essen entsprechend gekocht, serviert und präsentiert wird. Priester, Mediziner und Köche, sie alle können mit Herz und Geist davon überzeugt leben, dass sie Diener für die Menschheit sind; dass sie auf dieser Erde sind, um zu dienen und nicht bloß um eine Profession auszuüben, nicht nur um Dienstleistung abzulegen, als Tausch für monetarische oder sonstige Wiedergutmachungen. Alle, die sich ehrlich und bescheiden berufen fühlen, leben eine transzendente, spirituelle und verantwortungsvolle Herangehensweise und widmen sich demzufolge mit viel mehr Aufmerksamkeit der Bedürfnisse der Seele des Rezipienten.

Ein New York Klassiker, von Leslie Buck entworfen, der ‚Anthora‘ Becher ist ein New Yorker Symbol seit der 60er Jahren.

Viele habe ich gesehen, die Dienen. Viele habe ich gesehen, die im Dienst sind. Die im Dienst merken oft nicht, wie sie die Empfänger ihrer Dienstleistung misshandeln, beleidigen und manchmal schlicht nicht sehen können. Sie leben nicht nach dem existenziellen Wunsch, mit aller Kraft und Energie im allgemeinen Energiefluss zu investieren. Sie konzentrieren sich lieber auf deren Recht auf einen Gehalt und verspüren oft das Bedürfnis, sich mit Worten auszudrucken, die genau vermitteln, was innerhalb und außerhalb deren Dienstspektrums liegt.

„Das ist nicht meine Aufgabe.“
„Das machen wir nicht“
„Das ist nicht unser Problem.“

Es gibt mehrere Zeichen, die uns erkennen lassen, wann wir die Kunden dienen oder nur Dienst leisten, die unsere materielle, mentale, physische oder sonstige Hilfe brauchen. Wenn wir wollen, dass unsere Kunden sich wohlfühlen und dass wir nicht nur deren finanzielle Unterstützung schätzen, sondern auch sie als Wesen und vor allem deren Wohl wollen, dann werden wir für sie nur Räume zu Verfügung stellen, die die beste Aufenthaltsgelegenheit ermöglichen. Sogar wenn viele in der heutigen to-go Gesellschaft nur vorbeigehen, die gegebene Sekunde sollen auch Himmlische sein.

Leisten sie Dienst beim König und dienen sie einem Auto? Sicherlich nicht! Dennoch betrachte ich zu oft, dass wiederholte Male wissen wir nicht, was Dienen bedeutet, in einfachen, sowie in professionellen Situationen, genau dort, wo das Dienen notwendig sei.

Die einfachen Schritte, Schecks einzuzahlen und Bargeld abzuheben, verlangen, dass im Banken Eingang nichts zu sehen ist, was den Kunden optisch beleidigt, wenn verschütteter Kaffee am Fensterbank wie eine schmutzige Kaffeestation aussieht und seit Tagen nicht beseitigt wird.

Zum ersten Mal am 13. Juni 2012 gesichtet
Zwei Tage später eine Wasserflasche und mehr Papier kamen hinzu.
Am dritten Tag wurden Becher und Wasserflasche entfernt. Der verschüttete Kaffee und Papier mit Kaffee blieben.
Vier Tage danach ein Teil des Papiers mit Kaffee ist auch entfernt worden.
Am sechsten Tag ist der Kaffee noch da, plus neuer Papiermüll.

Auf dem nächsten Abbild ist nicht eine Kunst-Installation zu sehen, sondern die Bestuhlung in einer Gastronomie Betrieb.  Seit über 8 Monate gehe ich regelmäßig vorbei und jedes Mal seitdem sind die Stühle in dem Verpackungsmaterial noch zu sehen.

Stühle seit über 8 Monate in deren Verpackungsmaterial gewickelt, während Kunden täglich reinkommen und dort essen.

In jeder Industriebranche braucht man passende Utensilien. Dies gilt auch in jede Ecke der Gastronomie. Sonst kann der Eindruck entstehen, dass der Kunde irrelevant ist. Noch wichtiger ist dass man als Angestellte weiß, welche Produkte für die Kunde erhältlich sind, lange bevor die Person im Verkaufsbereich arbeitet. Im selben Restaurant, wo ich die nächsten Fotos aufnahm, bestellte ich ein Cortado (ein Espresso mit ganz wenig Milch und ein wenig Milchschaum). Die Dame fragte mich, ob das ein Saft wäre.

Ein Espresso in der richtige Demitasse, aber die Tasse auf einen Nachspeisenteller, statt auf einer Kaffeetasse Unterteller.
Nachspeisenteller
Besteck aus Plastik zerstört jeglicher Genuss beim Essen.

Wenn ein Individuum nicht die Fähigkeit besitzt zu wissen, was der Unterschied zwischen Dienst und Dienen ist, hängt es von der Leitung ab, dies zu wissen und durchzusetzen, damit der richtigen Umgang mit der Kunde gewährleistet wird. Angestellte, Arbeitgeber und Kunde, können alle von dieser Klarheit nur profitieren.

Kaffee Dramatiker ist ein Blog hauptsächlich über Kaffee, aber Kaffee wird als Hauptbeispiel verwendet, um die Ideen zu transportieren, die als effektiv und inspirierend für die ganzheitliche Herangehensweise im Leben erscheinen. Demzufolge ist das Zentrum nicht Kaffee, sondern – in diesem Fall – das Dienen. Das Zentrum ist, dass wir brauchen und uns steht es zu, bedient zu werden und sollen wiederum nur dienen. Es gibt so viel Notwendigkeit für einfachen und schlechten Service in Kaffeehäuser, wie für Priester und Arzte, die nur ihren Dienst ausüben und diese auch missbrauchen.

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