Das Konzept der Kaffeehäuser im 18. Jahrhundert

Das Cafe Greco in Rom - Gemälde von Ludwig Passini

Johann Georg Krünitz (1728 – 1796) war ein deutscher Arzt, Enzyklopädist und Naturwissenschaftler, der die erste 72 (aus 242) Bücher der Ökonomischen Enzyklopädie (1773 – 1858) verfasste. Hier sind ein paar Punkte zu der Vorstellung, die damals herrschte, bezüglich Kaffeehäuser und ihre Rolle in der Gesellschaft.

„Man stelle sich eine Stadt vor, darin unbeweibte Männer leben, denen der Umgang in einer Familienhaus fehlt, oder auch, darin Hausväter nach vollendeten Geschäften sich nach einer ermunternden Abwechselung sehnen, ohne solche in Bier- oder Weinhäusern zu suchen; oder man bilde sich Fremde in einer Stadt ein, die des Tages ihre Geschafte verrichter haben, und sich nachher eine Erquickung wünschen, die so wenig in ihren Herbergen, als sonst, anzutreffen ist; gewiß, wo nicht in einer Stadt ein oder mehrere Kaffehäuser angeleget werden, wird dieser ergetzende Endzweck schwerlich erreicht.“

„Daher sind dergleichen Anlagen in einer Stadt unschätzbar, ins besondre, wenn sie regelmäßig eingerichtet sind; d. i. 1. wenn Kaffehäuser geräumige Säle und Neben-Unterredungszimmer haben, da man nicht von Tobaksrauche erstickt zu werden befürchten darf, und darin niemand die Billard=Spieler hindert; 2. wenn sie geräumige, wohl angelegte Kamme haben, daran sich viele im Winter erwärmen können; 3. wenn die besten Erfrischungen an Kaffe, Chocolate, Thee, Punsch, Bischof, abgezogen Wasser, Orgeade, Limonade etc. daselbst gegen billige Bezahlung zu haben sind; und wenn 4. daneben alle zur Lectüre und Nachrichten dienliche Monaths= und Wochen=Schriften und Intelligenzblätter, wie auch Zeitungen von den berühmtesten Gegenden Europens, daselbst angetroffen werden.“

„Ein Ort, oder öffentliches Haus, wo gleich zum Trinken fertiger Kaffe verkauft und verschenket wird, wird ein Kaffehaus, Fr. Cabaret à Café. oder auch nur schlechthin Café, genannt. Dergleichen Häuser sind nach und nach, so wie das Kaffegetränk bekannt und Mode geworden ist, angelegt worden, wie ich von Mecca, Constantinopel, Marseille, Paris und von London gemeldet habe.“

„Wohleingerichtete Kaffehauser sind an und vor sich eine eben so nützliche und nöthige Anstalt, als die Gasthöfe und Wirthshäuser. Sie dienen zur Bequemlichkeit und zum Angenehmen in solchen Städten, wo ein Zusammenlauf von Leuten, und wo man nach den Regeln einer guten Stadtpolizey verbunden ist, zugleich auf einen vergnügten Aufenthalt solcher Personen zu denken, die ab und zu reisen, oder sich doch nur eine Zeit lang daselbst aufhalten, nicht daselbst wohnen, kein eigenes Hauswesen haben, nicht immer auf der Stube sitzen können, sondern einige Veränderung, die so angenehm als nützlich ist, haben müssen. Wenn hingegen die Kaffehäuser keine gute Einrichtung haben, wenn sie sich selbst überlassen werden, und die Polizey keine Aufmerksamkeit auf dieselben hat, so können sie auch die schädlichsten Schlupfwinkel werden, wo ein liederliches und ärgerliches Leben geführt, Betrug und Bosheit ausgeübet, und insonderheit die Jugend sehr verführet und zu allerley Sünden und Lastern angewiesen wird. Man sieht daher leicht ein, was für ein wichtiger Gegenstand die Kaffehäuser der Polizey sind, und wie nöthig es ist, daß die Polizey dieselben unter einer beständigen guten Aufsicht halte.“

„Man muß auch keine gar zu große Menge der Kaffehäuser verstatten, sondern nur so viele zulassen, als etwann die besondern Ursachen, warum solche Häuser an solchen Orten nöthig sind, es nach Proportion erfordern. Es sind nicht alle Leute genöthigt, sich dieser Häuser zu bedienen. Wenn also ihrer zu viel sind, so vertheilen sich diejenigen, die solche besuchen, gar zu leicht und allzu sehr; folglich können zu viel Kaffewirthe keine oder doch wenig Nahrung haben, oder müssen auf sündliche und schädliche Mittel und Wege bedacht seyn, die Lüste der Meuschen rege zu machen, damit sie vor andern Zulauf haben, wenn sie bestehen wollen. Einer verdirbt also den andern, und der Verdorbene wird also verleitet, oft aus Verzweiflung, wenn starke Abgaben noch dazu kommen, auf solche Streiche zu verfallen. Zu geschweigen, daß eines Theils bey einer großen Menge, und bey einer solchen uneingeschränkten Freyheit, da ein jeder, der nur will, ein Kaffehaus halten mag, die Aufsicht darüber desto schwerer wird; andern Theils aber eben daher sich so vierlerley liederliche Leute, ohne die erforderten und erkannten Eigenschaften eines ehrbaren und rechtschaffenen Kaffewirthes, zu dieser Profession begeben, weil sie vermittelst eines müßigen Lebens dabey mehr, als durch ein anderes Gewerbe, zu gewinnen hoffen.“

„Es muß auch nicht verstattet werden, die Kaffe=Häuser in abgelegenen Winkeln, Ecken und Gäßche anzulegen und zu halten. Dieses ist öfters eine sehr bequeme Gelegenheit für die Kinder und Werke der Finsterniß in großen Städten. Kaffehäuser sollen also von Rechts wegen an den öffentlichen und vornehmsten Plätzen, oder doch in den vornehmsten Hauptstraßen seyn, wo die besten Leute wohnen, wo die Bosheiten nicht leicht Unterschleif und Beyhülfe, wie bey armen, geringen und niederträchtigen Leuten, und in ihrer Nachbarschaft, finden, und wo sich also allerley Leichtfertigkeit nicht einmahl getrauet, ihre Wohnung aufzuschlagen, oder doch durch den Ruf und durch den Abscheu vornehmer und angesehener Nachbarn leicht entdecket, die Aufsicht aber viel besser ausgeübet werden kann.“

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