„Im Kaffeehaus“ / Alfons Petzold

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Im Kaffeehaus

Auf dem betuchten Feld des Billards
klapperten locker durch den Raum die Bälle.
Das stumpfe Leuchten eines blonden Haars
zwang meinen Blick an eine and’re Stelle.

Von ihres Mannes Körper halb verdeckt,
sah eine Dame träumend vor sich nieder.
Das junge Angesicht war krank gefleckt,
und müde war die Haltung ihrer Glieder.

Ein junges Hochzeitspärchen sollt‘ es sein –
wir alten Gäste raunten freche Sachen
uns gegenseitig zu, und in den Wein
versenkten wir verständnisvolles Lachen.

Am nächsten Tage sah man sie nicht mehr.
Es hieß, sie seien abgereist nach Essen.
Und neue Bilder zogen auf uns her,
die zwei Verliebten waren bald vergessen.

Da, als wir heute saßen beim Kaffee,
kam von des jungen Weibes Tod die Kunde.
Trotz allen Sommers sahn wir plötzlich Schnee
und jeder Laut gefror in unserm Munde.

Und jeder von uns dachte an ein Wort,
das er gedankenlos, gemein gesprochen,
als noch die junge Frau am Tische dort
mit ihrem Haar der Lampe Licht gebrochen.

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Aus der Sammlung „Totentanz“
von
Alfons Petzold (1882-1923) österreichischer Schriftsteller

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