Kaffeejahre (ergänzt)

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Ein Kaffeejahr gibt es nur dort, wo Kaffee geerntet wird. Aber seit einige hundert Jahren gibt es besondere Jahre, die über den Globus verteilt für schöne Momente gesorgt haben, oder an deren Ereignisse sich zutrugen, die wesentlich zur Prägung der Kaffeekulturen beigetragen haben.
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1511
– entsanden die erste Kaffeehäuser in Mekka, „Kaveh Kanes“ genannt.
1517
– erreicht Kaffee Konstantinopel.
1528
– durch den Spanier gelangt der Kakao in Europa zum ersten Mal.
1534
– weil viele religiöse Führer meinten, Kaffee habe eine ähnliche Wirkung wie Alkohol, stifteten einige dieser ihre Anhänger dazu, auf der Straßen zu gehen. Hierdurch entstanden Unruhen und einige Kaffeehäuser wurden zerstört und ihre Gäste angegriffen.
1554
– das erste Kaffeehaus in Konstantinopel (heutiger Istanbul) wurde eröffnet.
1610
– wird zum ersten Mal Tee in Europa verkauft.
1615
– über venezianische Händler erreicht der Kaffee Europa.
1647
– eröffnet „Bottega del Caffè“ als erstes Kaffeehaus Venedigs.
1652
– London erlebt ihr erstes Kaffeehaus, Virginia Coffee-House.
1659
– entstanden die erste Kaffeehäuser in Marseille.
1668
– aus diesem Jahr stammt den ersten Hinweis, dass in Nordamerika Kaffee (mit Zucker und Zimt) getrunken wurde.
1670
– eröffnen die erste Kaffeehäuser an der us-amerikanische Ostwestküste (New York, Boston und Philadelphia).
1672
– gibt es das erste Kaffeehaus in Paris
1683
– laut Legende, als 200,000 Türken Wien belagerten und sich schließlich geschlagen gaben, hinterlassen sie ihren Säcken mit Kaffee. Nach seiner Dienste als Übersetzer und Bote erhielt der Offizier Georg Franz Kolschitzky vom König Jan Sobieski diese Säcke als Bezahlung, womit er das erste Kaffeehaus Wiens eröffnet. Anfang kam das Getränk bei der Wiener nicht sehr gut an, bis Kolschitzky Milch und Zucker zufügte.
1685
– eröffnet der Armenier Johannes Diodato  was (für manche) offiziell als erste Kaffeehaus Wiens gilt.
– andere meinen, es war der Grieche Johannes Theodat, der in diesem Jahr das erste Kaffeehaus Wiens eröffnete.
1688
– Edward Lloyd eröffnete in diesem Jahr wohl das berühmteste Kaffeehaus Londons. Die „Lloyd’s Liste“ war ein vom Herrn Lloyd selbst herausgegebenen Nachrichtenblatt mit einer Liste der Schiffe, die von seiner Kunden versichert waren. Daraus entstand eine Vereinigung von Einzelversicherten.
1689
– eröffnete der Sizilianer Francesco Procopio de Coltelli das Café Procope als erstes Pariser Café.
1697
– entstand das Kaffeehaus im Haus Schütting in Bremen.
– sowie das erste Kaffehaus in Würzburg.
1712
– bekommt Stuttgart ihr erstes Kaffeehaus.
1720
– eröffnet ‚Zum Arabischen Coffee Baum‘ in Leipzig. Heute gilt das Kaffeehaus als zweitältester Europas.
1721
– wurde in Berlin das erste Kaffeehaus errichtet.
1727
– gelangen die ersten Kaffeepflanzen nach Brasilien, heute grösste Kaffeeanbauland der Welt. Ein brasilianischer Armeoffizier namens Francisco de Melo Palheta brachte den Kaffee aus Französisch-Guayana nach Belém in Brasilien.
1734
– entsteht Kritik an das Kaffeekonsum durch die „Kaffeekantata“ von Johann Sebastian Bach.
1773
– Boston Tea Party fand statt. Die Bürger von Boston, Massachusetts protestierten dagegen, dass England hohe Steuer auf Tee erhob, die Nordamerikaner zu bezahlen hatten, aber ohne dass ihre Stimmen im englischen Parlament Gewicht hätten. So verkleideten sich mehrere Bürger als Indianer in der Nacht der 17. Dezember und schlichen sich in den englischen Schiffen, um schließlich dort vorhandenen Mengen von Tee im Wasser zu werfen. Bis dahin trank man Tee. Ab dann war es Kaffee.
1780
– mit der „Hildesheimer Kaffeeverbot“ wollte Friedrich der Große
1820
– ist es den Apotheker und Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge gelungen, reines Coffein vom Kaffee zu isolieren. Wolfgang von Goethe hatte ihn dazu angeregt, den Wirkstoff im Kaffee herauszufinden. Weitere wissenschaftler ist es die Isolation gelungen, doch Runge gilt als der erste und somit Entdecker des Coffeins.
1850
– ob es am exzessiven Kaffeekonsum war, ist nicht sicher, aber in diesem Jahr verstarb DER Kaffeetrinker, Literat und Lebenskünstler, der Franzose Honoré de Balzac. Sechzig Tassen Kaffee täglich waren für ihn üblich. Er trank um arbeiten zu können. Dieser Trinker trank und aß gerne. Tagelang verschwand er um zu arbeiten, während er sehr viel Kaffee (manchmal 60 Tassen täglich), sowie Eier und Obst zu sich nahm. Pausierte er, dann ging er unmengen essen, die in den Annalen der Kulinaria eingegangen sind. Dazu zählt eine einzige Mahlzeit im Restaurant, wo er um die 100 Oystern, ein Dutzend Cutlets, eine Ente und Einiges an Nachtisch und Liquöre zu sich nahm.
1881
– lautet der Anfang der Entwicklungen zur Herstellung der Thermoskanne, Dank der Experimente vom schottischen Chemiker James Dewar, der bereits 1893 zur Reduktion der Wärmestrahlung Innenflächen von Glasgefäßen verspiegelte,  der Professor Adolf Ferdinand Weinhold, der unabhängig von Dewar dieses Prinzip 1881 in Chemnitz nutzte, sowie der Glastechniker Reinhold Burger, der lange forschte und 1903 sein Patent an Thermos AG in Charlottenburg verkaufte, so dass die erste Serienproduktion 1920 stattfinden konnte.
1908
– Melitta Bentz aus Dresden suchte einen Weg Kaffee zu kochen, ohne dass er durch Überhitzung bitter wird. Sie experimentierte, bis sie feststellte, dass das Schulpapier ihren Sohnes sich am besten eignete.  Ihr heute berühmter Melitta Kaffeefilter wurde am 20. Juni 1908 patentiert.
1936
– eröffnen Leopold und Josefine Hawelka  das ‚Café Alt Wien‘. Josefina Danzberger (12. Oktober 1913 geboren, 22. März 2005 gestorben) und Leopold Hawelka heirateten im Jahre 1936 und am Tag nach der Hochzeit eröffneten das Café Alt Wien an der Bäckerstr.
„Unsere Flitterwochen homa im Kaffehaus verbracht, und gwohnt hama auch drin, weil a Geld homa jo kanns ghopt “ (Josefine Hawelka).
1939
– eröffnen Leopold und Josefine Hawelka das berühmte ‚Café Hawelka‘, nach dem sie das ‚Café Alt Wien‘ wegen Pachterhöhung aufgeben mussten.
1971
– eröffnen die drei befreundete Studenten Gordon Bowker, Gerald Baldwin und Zev Siegl das „Starbuks Coffee, Spice, Tee“ in Seattle, Washington, USA.
1998
– eröffnet Vanessa Kullmann ihr erster ‚Balzac‘ Kaffeebar in den Colonnaden in Hamburg
2005
– stirbt die Dame des Wienerkaffeehauses, Josefine Hawelka.

(15. März 2010 ergänzt.)

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Ein Gedanke zu “Kaffeejahre (ergänzt)

  1. Schöner Überblick. Ja, die Europäer haben es geschafft uns in der Kolonialzeit tatsächlich alles aus der neuen Welt mit zu bringen. Kakao, Zucker und Kaffee. Und Balzac lebte tatsächlich seinem Lebensmittelkonsum nach zu urteilen Hand in Hand mit dem Sensemann. Wir wissen heute, dass 100 Kaffees am Tag absolut tödlich sind, von den Austern gar nicht zu reden.

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