Kaffee-Mut mit Feigen

Mit Feigen habe ich lange gebraucht mutig zu werden. Nichts fiel mir früher dazu ein, was man dieser wunderbaren Frucht – ob frisch oder im trockenen Zustand – antun könnte, um ihren feinen Geschmack gelten zu lassen und ihn dennoch zu ergänzen – mit Kaffee.  Geschmacklich abwägig ist die Idee jedoch nicht. Schließlich gehören Feigen zu den mehreren Obstsorten und sonstigen Lebensmitteln, die auf unterschiedliche Weise als Kaffeeersatz oder Ergänzung gedient haben.

Der Baum Ficus Carica, Linnaeus (oder Ficeae, Gaudichaud-Beaupré) ist einer von etwa 1000 ihrer Art und liefert uns die Steinfrucht, die wir als Feige kennen. Diese Bäume können 100 Jahre alt werden. Erstaunlich, dass diese Bäume es nicht schaffen, viel länger zu leben, denn sie sind sehr anspruchslos, brauchen sehr wenig Wasser und laut archäologischer Funde wurden vor über 11.400 Jahre in Westjordanland kultiviert. Sie kommen heute vor allem im Mittelmeer und grundsätzlich im tropischen und südtropischen Regionen vor, doch ihre Wiege dürfte in Kleinasien sein. Früher galten sie als Hauptnahrungsmittel. Mit etwa über 80% Fruchtzucker sind sie reich an Kohlenhydrate und somit energiereich. Sie liefern zudem viel Calcium und sind reich an B-Vitaminen. Prähistorische Nomaden, die Ausdauer und Kraft für ihre Reisen auf der Seidenstraße brauchten, hatten bereits die Idee gehabt, Nahrung mitzunehmen, die leicht zu handhaben und zu tragen, nicht schnell oder gar nicht verdirbt und die reichhaltig war. So kann man davon ausgehen, dass getrocknete Feigen zu den „Trail-Mix“ bzw. Studentenfutter der Frühzeit gehörten. Um es haltbar zu machen, war das Trocknen von Essen eine gängige Praxis für frühere Kulturen. Hierfür nahmen sie auch Produkte, die leicht zu bekommen waren.

Heute hat sich hiermit wenig verändert. Die meisten Feigen auf dem Markt werden im trockenen Zustand angeboten. Das liegt wesentlich an der Empfindlichkeit der Frucht. Sobald sie reif ist, fällt sie vom Baum und im reifen Stadium verdirbt sie schnell. Bei dem Trocknungsprozess verlieren Feige etwa 3/4 ihrer Feuchtigkeit und werden dadurch viel süßer und somit energiereicher.

Allein von dem Energieaspekt her betrachtet, sind der Kaffee und die Feige eine kräftige Kombination. Feigen und Kaffee haben bereits seit vielen Jahren eine Verbindung. In Feigen fand man spätestens seit dem 18. Jahrhundert eines der Lebensmittel, die als Kaffeeersatz oder als Ergänzung einsetztbar sind. Malz, Gerste, Roggen, Zichoriewurzel und Spargelsamen gehören auch dazu. In der Industrie, sowie privat, kam der Feige im Spiel, um den Kaffeegeschmack aufzurunden. Doch die Feige wurde nicht nur wegen ihrer Geschmacksqualitäten eingesetzt, sondern um den Kaffee bekömmlicher zu machen. Über Geschmack und Magenfreundlichkeit hinaus standen auch sogar Glaubensideen, sowie Politik als Ersatzgrund. In manchen Religionen gelten Getränke mit Drogen und somit Tee und Kaffee als verboten. Im Abendland, sowie im Morgenland gab es zu unterschiedlichen Zeiten Kaffeeverbote, mal aus religiösen, mal aus wirtschaflichen, mal aus Traditionsgründen. Als Friedrich der Große 1780 mit den „Hildesheimer Kaffeeverbot“ den Bürgern den Genuss der „Bohnenkaffee“ untersagte, hatten die Firmen mit Kaffeesurrogate Hochkonjuktur und mehrere Feigenkaffee Fabriken wie die Imperial Feigenkaffee Fabrik Karl Kuhlemann, Wien & München und Andre Hofer Feigenkaffeefabrik in Salzburg profitierten hiervon. Angeblich wollte man mit dem Kaffeeverbot vermeiden, dass die ärmere Bevölkerung durch den teuren Kaffee sich mehr verschuldet.

Ähnlich wie die Getreideprodukte wurden die Feigen gedarrt und geröstet, um den erwünschten Geschmack zu erreichen. Genau so wie erst die Röstung der Kaffeekerne für den uns bekannten Kaffeegeschmack sorgt, erzeugt das Darren und Rösten für den würzigen Geschmack der unterschiedlichen Produkte, die den Kaffee ersetzen und ergänzen.

Die erste Idee für meinen heutigen alchemistischen Umgang mit dieser zwei Früchten, die geographisch gar keine Berührungspünkte haben, bringt eine weitere Zutat im Spiel. Es handelt sich um eine Sauce auf der Basis von Kaffeekerne, Feigen und Ingwer, die zum Wild oder Geflügel passend ist. Weitere Versionen bzw. Versuchen werden bald genug folgen, aber der erste Versuch bestand aus 1 Knoblauchzeh, knapp 1 Daum größe Ingwerwürzelstück, 20 Kaffeekerne, 7 trockene Feige und ein wenig Meersalz, alles gemörsert. In einer Pfanne mit warmen/heissen Olivenöl kurz anrösten und 250gm Sahne hinzufügen. Purieren und pasieren. Das dürfte mehr für genügend Gaumeninspiration sorgen.

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