Kaffee im Hintergrund / „Hymne“ oder Poesie in Jerusalem

Wohngebiet – eine fast leere Strasse. Die Kamera nimmt dieser auf.

Ein Auto aus der Entfernung fährt hoch und nährt sich – die Kamera folgt was geschieht… – und das Auto verschwindet rechts. Ein Auto kommt von Rechts, fährt die Strasse hinunter. Aus der Entfernung – wieder links – kommt ein Moped näher, das der Strasse hoch fährt und biegt plötzlich in einer Seitenstraße links ein. Damit sieht man ein Auto, das aus der Seitenstraße raus kommt und rechts, der Straßen hinab fährt, während ein Mann auf dem Gehsteig mit etwa gelangweilten Gang parallel zum Auto der Strassen hinunter spaziert. Plötzlich liegt ein Schuh vor ihn. Er hebt ihn auf und gibt ihn einen Jungen, der auf der Mauer an der Strasse entlang regungslos sitzt.

Der Mann kommt zu einen kleinen Geschäft, holt sich eine Milch für 4,80 während der Verkäufer telefoniert und kehrt der Strasse hinauf zu seinen Haus zurück. Auf dem Weg findet er erneut den Schuh. Hebt diesen wieder auf und gibt es den Kind wieder. An seinen Haus angekommen, steht er am Eingangstür und will aufmachen, als er die Rufe einer kleinen Katze hört. Er mag die Milch auf, gießt ein wenig in einer kleine Schale auf dem Boden, doch die kleine Katze trinkt nicht. Er riecht die Milch und stellt fest, diese ist sauer. Der gelangweilte Mann kehrt zurück. Findet den Schuh wieder, hebt ihn auf und zieht dem Jungen selber den Schuh an.

Die Kamera zeigt eine Bushaltestelle. Eine Person rechts und ein paar Mädels links warten auf dem Bus. Eine Dame geht vorbei und die Mädels fragen nach der Uhrzeit. Zehn Uhr irgendwas… „Danke“. Ein Mann kommt von der anderen Seite. „Wie spät ist es?“ fragen die Mädels wieder. „Zehn Uhr…“ irgendwas…. antwortet der Mann auch. „Danke“, sagen die Mädels wieder.
„Da kommt noch einer. Lass uns ihn ärgern“sagen sich die Mädels. „Wie spät ist es?“ „Ich weiß es nicht. Ich habe keine Uhr“…erwidert unser Gelangweilter. „Was ist das für Einer?!“…mokieren die Mädels.

Er erreicht den Lebensmittelladen und der Verkäufer ist immer noch am Telefon. „Die Milch ist sauer, ich möchte sie nur umtauschen“ sagt er zum Verkäufer am Telefon, der nickt. „Alle sind abgelaufen. Haben Sie keine Milch mehr?“ Der Verkäufer gibt ihn das Telefon und sagt – „wenn einer zum Telefon kommt, dann sagen Sie einfach ‚Tristan und Isolde‘ von Wagner“ und er geht nach Milch schauen.
Eine Stimme am Telefon meldet sich und unser Gelangweilter antwortet „Tirstan und Isolde“.
„Können Sie uns auch sagen, wer dirigierte?“ „hmmm…… Zubin Metha…“

Ilan Hazan in the Film „Himnon“ (Anthem) / 2008, from Elad Keidan

„Nein, das ist leider nicht richtig“ sagt der Mann am Telefon.

(genau deswegen wollte ich unbedingt das ganze niederschreiben, bevor ich schlafe, weil ich wusste, in der früh hätte ich ein Paar Einzelheiten vergessen… und in der Tat, den richtigen Dirigent habe ich vergessen)

„Der Junge hat mir keine neue Milch da gelassen. Ich habe nichts mehr.“ sagt der Verkäufer.
„Hat der Laden unten auf?
„Kann sein – ich weiss nicht“ – antwortet der Verkäufer.

Kaum verlässt er den Laden, begegnet er einen Mann, der ihn fragt, ob der Blumenladen oben an der Strasse auf hat. „Kann sein – ich weiss es nicht“ sagt der Milchloser. „Und wissen Sie, ob der Laden unten noch auf hat?“
„Kann sein – ich weiss es nicht. Schade dass wir uns nicht kennen. Sonst hätten wir uns anrufen können. Sie hätten für mich oben die Blumen kaufen können und ich hätte für Sie Milch unten gekauft.“
Die beide trennen sich mit Shalom… „schönen Sabbat!“

Im Laden angekommen, der noch auf hat, holt er eine Milch und bezahlt 4,60. Er geht der Strasse wieder hinauf und sieht plötzlich, wie eine Apfelsine an ihn vorbei rollt. Er schaut lange hinterher, bis die Frucht verschwunden ist. Kaum will er sich drehen und weiter gehen, kommt eine zweite Apfelsine gerollt und er hebt diese geschwind auf. Vor ihn findet er dann eine junge Frau, die versucht ihren Einkauf wieder in Tüten zu bekommen, die auf der Strasse gefallen sind. Ihre 2 Töchter warten auf dem Gehsteig auf sie. Er gibt ihr eine Apfelsine und sie fragt – „wo ist die zweite“?

Die beide unterhalten sich den ganzen Weg, währen der Mädels um den Beiden spielen. Sich unterhalten ist eigentlich übertrieben, denn die junge Frau redet ihre Monolog und er kommt nie zum Wort. Auf dem Weg hebt sie auch den Schuh ab und ohne den Jungen anzuschauen, zieht ihn den Schuh an, während sie weiter redet. Er begleitet sie bis zu ihrer Wohnung und trägt ihr die Einkaufstüten. Und bei nah wäre er ohne Milch gegangen, den seine Tüte war in einer Tüte der Frau gelandet.

Er macht sich auf dem Weg und an der Straßen entlang möchte Blumen kaufen, stellt aber fest, dass er sein Geldbörse nicht dabei hat. Er kehrt mit seiner Langsamkeit zurück und hebt den Schuh ab, aber nimm ihn dieses Mal mit, statt ihn dem Kind zurück zu geben. An dem Laden angekommen, wo er die letzte Milch kaufte, stellt er fest, der Laden hat bereits zu. Geht links ein paar Treppen hinauf, klopft an die Tür.
„Ich habe unten Milch gekauft und habe dort meine Geldbörse vergessen. Wissen Sie wo der Ladenbesitzer wohnt?“
„Kommen Sie rein“ antwortet eine junge Frau. „Ich kann nicht raus, aber setzten Sie sich. Mein Mann kommt gleich und kann für Sie unten aufmachen. Am Tisch ist frischer Tee. Setzten und bedienen Sie sich.“
Er setzt sich hin. Nimmt Zucker im Mund und trinkt einen Schluck Tee. Noch ein Zucker und noch einen Schluck und dann macht seine Milch auf und gießt ein wenig in seinen Tee rein. Nach ein paar Minuten hört er Geräusche und stellt fest, diese junge Frau ist im Badezimmer. „Ich kann nicht raus“ sagt sie.
„Kann ich für Sie was tun? Geht es Ihnen gut?“
„Ich bin schwanger und kann nicht zulassen, dass Sie mich ansehen. Es ist nicht gut, wenn Sie mich zum ersten Mal schwanger ansehen.“

Er macht den Vorschlag, er könne zum Tisch gehen und sie kommt nach. Sie sitzt hinter ihn und er schaut sie nicht an, aber so können sie sich unterhalten, bis ihre Mann nach Hause kommt. Und so geschieht es.
Er fängt an zu erzählen…“Heute fing der Tag nicht so gut für mich an. Durch den Fenster habe ich Kaffee gerochen und bekam Lust auf Kaffee. Dann holte ich mir Kaffee und Wasser und Zucker und machte mir einen Kaffee. Als ich dann Milch holen wollte, stellte ich fest, dass ich keine Milch hatte.“
Er unterbricht sich dann und sagt: „Nicht dass ich es mir wünschen würde, aber, sollte Ihr Mann aus irgendeinem Grund nicht zurück kehren, möchte ich Sie heiraten und mit Ihnen das Kind erziehen.“ In der Moment stand sie auf und meinte, es wäre Zeit, die Kerzen anzuzünden und beten. Als sie anfangen wollten zu beten, kam ihre Mann rein. Sie stellten sich einander vor, beteten zusammen und der man ging mit seiner Milch.

Den Schuh wollte er nun dem Kind zurück geben, aber das Kind saß nicht an der Mauer, also hat er den Schuh da gelassen und die gefundene Apfelsine drauf gelegt.

* * *

„Himnon“ („Anthem“) (2008)

Kurzfilm: 36 min.

Regie – Elad Keidan

Darsteller: Albert Cohen, Maya Gasner, Ilan Hazan, Carmit Mesilati Kaplan

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