Anspruch

Die schönste Kaffee Ehrung ich jemals hörte, kommt von Christoph Niemann, dessen Morgen mit einem Tee anfängt, damit er wach ist und somit den Genuß seiner ersten Tasse Kaffee wahrnehmen kann. (Achtung Teegenießer: hier hieße natürlich zuerst eine Tasse Kaffee, damit die erste Tasse Tee viel bewusster genossen werden kann. Doch Vorsicht! Verführungsgefahr, dass die erste Tasse Tee werden kann.)

Die Gesundheit des Geistes, des Körpers, sowie das seelische Wohlbefinden hängen wesentlich davon ab, mit welcher Einstellung und wie wach wir wahrnehmen. Bei der Kaffeezubereitung die Prozesse und Erwartungen variieren. Man lässt automatisiert einen Kaffee in Abwesenheit (während im Bad) entstehen oder man tätigt jeder Schritt selbst.
Man erwartet bloß den notwendigen Koffeinschub oder möchte eben diese Tasse Kaffee gezielt genießen. Die Erwartung mag nur Zweck bedingt sein oder auf hohen Anspruch ruhen.

Wenn ein Individuum sich zur Medizin- oder Theologiestudium berufen fühlt, sollte es dies nur nachgehen, wenn hiermit den höchsten Anspruch vorliegt, Körper, Geist und Seele des Menschens zur Genesung zu verhelfen oder ihn in ihrer Gesundheit zu unterstützen. Wenn die Berufung heißt, Menschen gastronomisch zu behelfen, bedienen, begleiten, dann sollte dies nicht anders sein.

Zur Zeit befasse ich mich noch intensiver mit der Rolle eines Kaffeehauses und der Rolle eines Individuums, das Kaffee zubereitet und serviert. Dabei stelle ich immer wieder fest, erkenne immer wieder wie vom Neuen, dass alles, was ich für mich zum Verzehr zubereite, möchte ich mit der besten Zutaten, besten Wissen (inklusive Experimentierfreude) und höchsten Anspruch fertig stellen. Und hiermit verbunden stelle ich ferner fest, dass nur mit diesem Anspruch darf ich Menschen begegnen, die ich zu bedienen suche, und dass ich nur die Menschen bedienen möchte, die diesen Anspruch an mich stellen.

Wie es bekannt ist, ein Espresso, der Zertifizierung nach, bedeutet 7 gm Kaffeemehl.  Schon lange ist es her, dass ich von Espresso rede, wenn ich ein kleiner Kaffee zubereite, u.a. weil ich nicht einsehe, mich nach 7 gm und 30ml zu orientieren. Bonanza Coffee Heroes verwendet 14 gm.  In New York gibt es Cafés, die seit Jahren auf ganz andere Ebenen geniessen und damit ihre Kundschaft verwöhnen bzw. leiten bzw. bilden, in was Kaffeetrinken sein kann. Laut New York Times verwendet z.B. „Gimme! Coffee“ 19 gm (für ca. 25ml Wasser) und das „Ninth Street Espresso“ 21gm (für ca. 30ml Wasser). Bob Peyton (Ninth St. Espresso) erklärt darüber hinaus die Unterschiede an Geschmack, die er bei 199° (F) erreicht, im Gegensatz zu 203°. (Hierzu kann ich sagen, dass ein Freund von mir liebt mein „Aristippos Fuerte“ mit 21 gm.)

Hier geht es also nicht um Tradition, nicht um Namen, nicht um Geld, es geht um Anspruch und neue Wege, um diesen Anspruch gerecht zu werden oder besser gesagt, diesen Anspruch zu befriedigen, gar den Anspruch zu Erhebung verhelfen.

Der New York Sternkoch Marcus Samuelsson wurde in Äthiopien geboren, in Schweden adoptiert und aufgewachsen und zeigt in  Aquavit in New York, was die Küche aus Schweden sein kann. Er kocht u.a. mit Kaffee und meint, es reiche nicht, dass man gut und mit Liebe kocht. Es ist auch wichtig, dass man mit Anspruch auf Erfolg kocht.

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