im Mund

Die Zubereitung von cascara, der Kaffee-Tee.

Kaffee und Kölsch – Ein unerwarteter Sonntag

Endlich sah es so aus, als wenn ein Freund würde in der Tat in New York sein und wir würden uns nach etwa 4 Jahren Internet Freundschaft sehen und nicht nur lesen – und es geschah auch. Am Sonntag verbrachten wir einige Stunden im Gespräch, beim Kennenlernen, mit Genuss und in diese Weltstadt, die so schön und besonders ist, dass man sie zwei Mal genannt hat.

Grace (Barista im Siphon Bar) brüht uns Kaffee.

Also zeigte ich meinem Freund Manuel und seinen Freund Yohvanni ein wenig von New York, New York aus meiner Sicht. Beide sind Schweizer mit südamerikanischen Wurzeln. Manuel kenne ich weil wir beide für das Essensmagazin Effilee aus Hamburg (online) geschrieben haben. Yohvanni lebt hier.

Die Zubereitung von Cáscara, der Kaffee-Tee.

Der Cáscara Kaffee wird zum Schluss serviert, in Begleitung (abwechseln) eines Zimt Meringe (aus eigener Herstellung).

So fanden sich drei Genießer und wache Gaumen in den Blue Bottle Coffee an die erste Bar des Tages und ließen sich von Grace drei Siphon Kaffees zubereiten – Yirgacheffe Gelana aus Äthiopien, Cerro Gacho aus Honduras und eine Mischung aus El Salvador. Auf Deutsch, Englisch und Spanisch sprachen wir viel über Kaffee. Welch eine Freude, sich mit zwei Köchen über Erfahrungen der Gaumen live austauschen zu können.

Diese Siphon Bar hat eine komplexe Kultur aus Japan in den Vereinigten Staaten von Amerika gebracht. Aber nicht nur eine feine japanische Kultur ist hier zu erleben, sondern auch die Art, in den Blue Bottle Coffee Baristi – wie Grace – ihren Respekt den Kaffeekern in verschiedenen Formen zu zeigen pflegen. Hierzu habe ich ausfürhlich auf English geschrieben, und “Wenn wir nicht aufpassen, könnten wir uns Kaffee-nicht-trinker Wesen verwandeln” wird bald hier auf Deutsch erscheinen. Ebenso schrieb ich über Cáscara als “Der Ältere Kaffee” und dieser Artikel wird ebenso bald übersetzt erscheinen.

Ich hatte mich mit Manuel verabredet und spontan gedacht, dass der Siphon Bar ein guter Treffpunkt wäre. An einem Kaffeetag und an Deutschland hatte ich jedoch keine Gedanken gehabt. Es ging nur darum, endlich diesen Mann kennenzulernen. Aber als wir die Siphon Bar verließen, fiel mir ein, ich könnte ihn zwei Schätze zeigen. Um die Ecke ist der Chelsea Markt, wo an der Filling Station Espresso Salz und Espresso Balsamico Essig angeboten werden. (Vielleicht sollte ich langsam anfangen, bei dieser Firma Provision einzukassieren.) Seine Gaumen zwangen ihn erfreut dazu, sich bei mir zu bedanken. Er fing sofort an, über Vorstellungen zu reden, darüber, was er mit diesen Produkten machen könnte.

Espresso Balsamico Essig, fast notwendig als Schnaps zu geniessen.

Yohvanni hatte uns mit seinen Kindern verlassen aber wir trafen uns wieder am Abend an die zweite Bar des Tages. Doch vorher musste ich Manuel noch ein Schatz zeigen. Die beste Pizza der Welt kann im Geschmack unmöglich weit davon entfernt sein, was South Brooklyn Pizza – auch in der East Village – aus dem Ofen rausholt. Er stimmte deutlich zu! Dort trank ich auch zum ersten Mal Kaffee aus der Zapfsäule – ein Manhattan Special Coffee Soda, nicht aus der Flasche, sondern vom Fass.

Als wir zu dritt das Bar verließen, wurde ich ins Landbrot geleitet. Tja… New York, New York! Welch eine Stadt. Hier haben ein paar junge Gourmets eine deutsche Idee im 2011 angefangen und dort tranken wir Kölsch aus der Zapfsäule. Ich durfte nach etwa 4 Jahren wieder Prossit! rufen.

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Manuel und ich kamen zusammen, weil wir im Leben viele Sachen ähnlich sehen. Zu erst ahnten wir dies, durch das, was wir gegenseitig lasen. Nun erlebten wir es mit Augen und Ohren. Ein zentraler Aspekt hier ist, dass wir im Essen und Gastronomie viel des Spirituellseins einbauen. Aus meiner Sicht ist Liebe kein Gefühl, die abhängig vom Begleiter kommt und geht, sondern ist ein exitenzielles Teil unseres Seins, wie Atmen, Bewegung und physisches sowie geistiges Wachstum. Kaum etwas haben wir Menschen individuell auf spiritueller Ebene zur Verfügung, was besser und wichtiger sein könnte, als Kreativität. Diese wird oft durch äußerliche Wirkung getrieben – sprich Inspiration. So war er sofort mit sich und seinen Gaumen, als er dieser Espresso Salz und der Espresso Balsamico im Munde hatte.

So ergeht es mir manchmal, bloß beim Anschauen eines Abbildes.

Wir sind viel mehr als die Summe, die uns einem Individuum macht und jedes Bruchteil in uns ist eben so groß – sei es geistiger oder physischer Natur.

Warum Kaffee?

Coffea Arabica Linnaeus

Der Kaffee, den wir weltweit trinken, wird vorwiegend aus den Pflanzen der Coffea Arabica Linnaeaus und der Coffea Canephora Linnaeaus gewonnen. Darüber, wann und wie die Menschheit begann, diese Pflanzen zu verwenden, gibt es einige Legenden, aber keine Beweise. Irgendwann, lange bevor wir moderne und zunehmend aufwendige Geräte bauten, fingen wir Menschen an, die Früchte der Kaffeepflanze zu trocknen, ihre Kerne zu rösten, zu zerstampfen und mit Wasser anzurühren, um daraus Kaffeegetränke zu machen.

Es gab Zeiten, in denen Kaffee als Morgensuppe verzehrt wurde. Für die vielen, die bis dahin in der Frühe Biersuppe getrunken hatten, war dies im wahrsten Sinne die Zeit des Erwachens. Zu anderen Zeiten wurde aus dem Fruchtfleisch oder aus den Blättern Wein hergestellt, während andere aus dem Fruchtfleisch Heißgetränke zubereiteten, ähnlich wie wir heute dafür die gerösteten Kerne verwenden. Bei der äthiopischen Art Kaffee zu genießen, wurden die Bohnen mit Gewürzen geröstet und täglich in einem Ritual der Familie und Gästen serviert – bis heute.

Inzwischen gibt es Kaffee auf türkische, mexikanische, skandinavische, italienische oder us-amerikanische Diners Art. Unterschiedliche Kaffeekulturen entwickelten sich über mehrere Jahrhunderte – wenn nicht über noch viel längere Zeit. Diese Entwicklungen setzen sich noch heute fort, und wir sehen weltweit Zeichen davon an unterschiedlichen Orten, an denen sich Millionen von Menschen aufhalten, um sich ein paar Minuten Ruhe zu gönnen. Manche sehen diese Orte als Wohnzimmer außerhalb ihrer Häuser, als Orte für soziale oder geschäftliche Treffpunkte, für intellektuelle Gespräche, für Inspiration, für Belangloses und vieles mehr und fast immer, um eine Tasse Kaffee zu trinken. Diese Orte haben Architekten inspiriert, Komponisten, Schriftsteller, Philosophen und viele andere kreative Köpfe. Man nennt sie Café und Cafeteria, Kahvehane in der Türkei, Kafenio auf Zypern, wo nur Männer sich treffen, oder Kaviarnia in Polen, Kissaten in Japan, Kaffeehaus in Wien, wo die hohe Gesellschaft, der Heimatlose, der Tourist, Geschäftsleute, verliebte Paare und Opernbesucher unter einem Dach zusammenkommen. In nordamerikanischen Coffeehouses nahmen Revolutionen ihre historischen Anfänge, und Ikonen wie Joan Baez und Bob Dylan taten dort singend ihre Meinung kund. Es gab früher auch Häuser, in denen Geschäftsmänner der Londoner Oberschicht, Studenten, Künstler, Politiker, Intellektuelle und viele andere täglich trafen, um sich für einen Penny über das Tagesgeschehen zu informieren. Deshalb wurden sie als Orte geschätzt, an denen man mehr Wissen sammeln konnte als beim Lesen eines Buches – die sogenannten Penny Universities.

Äthiopische Kaffeezeremonie

Aber warum immer Kaffee?!

Ich glaube, es gibt keinen Mund, der bei der allerersten Verkostung von Kaffee, Whiskey, Bier oder Wein diese Erfahrung sofort mit Geschmacksfreude verbinden würde. Manche Menschen argumentieren, dies sei der Beweis dafür, dass Kaffee nur wegen des Koffeins ein Lieblingsgetränk ist. Es sei also nicht eine Sache des Geschmacks, sondern des Mittels zum Zweck. Aber macht wirklich die Notwendigkeit oder das Bedürfnis, wach zu sein, Kaffee durch seine anregende Wirkung zu einem der beliebtesten Genussmittel? Dies scheint die offensichtlichste Verbindung zu sein, ist aber in meinen Augen nicht der zentrale, wahre Grund. Über allem anderen stehen der Geschmack und das Aroma. Den Beweis dafür liefert eine ganz besondere Industrie.

Ost und West, Christen und Muslime haben durch die Jahrhunderte unterschiedliche Kaffeeverbote miterlebt – sei es zur Beginn des 16. Jahrhunderts in Mekka oder im 17. Jahrhundert, als Charles II von England die Kaffeehäuser verbot oder äthiopische Kirchenmänner, die beinahe während des ganzen 19. Jahrhunderts das Kaffeetrinken verbaten. Friedrich der Große verbot den Deutschen das Kaffeetrinken, um das Volk dazu zu zwingen, sich für das heimische Produkt Bier zu entscheiden anstatt für den teuren importierten Kaffee.

Politische, ökonomische und moralische Konflikte der unterschiedlichen Kulturen und Systeme versuchten immer wieder, dem zunehmenden Verlangen nach Kaffee entgegenzuwirken. Dennoch waren es nicht die Verbote allein, die die Notwendigkeit für Alternativen hervorriefen, es war das neuentdeckte Produkt und die Liebe zu seinem besonderen Geschmack. Wäre dies nicht so gewesen, hätten die vielen Unternehmer und ihre Rezepte für Caro, Postum, Cafix, Pero und dergleichen keinen Erfolg gehabt. Die Menschen wollten diesen neuen Geschmack und griffen demzufolge in Ermangelung des Kaffees auf diese Ersatzprodukte – wie sie genannt werden – zurück, während die Produzenten davon profitierten.

Weltweit wurden Rezepte mit Gerste, Hefe, Zichorien, Karotten, Spargelsamen, Feigen, Löwenzahn, Kartoffelschalen, Roter Beete, Bucheckern, Reis, Eicheln, Lupinen, Roggen, Hagebutten, Malz, Mais, Disteln, Kastanien, Mandeln, Dattelkernen und vielen anderen Zutaten entwickelt. Die Herstellung und der Erfolg dieser neuen Produkte, die nichts weiter waren als die Nachahmung von Kaffee ohne Kaffeebohnen, zeigen, dass ein Geschmack die Erde eroberte – diejenigen, die in den Genuss echten Kaffees gekommen waren, wollten ihn nie wieder missen. Kaffeesurrogate haben kein Koffein, was beweist, dass es meist eben nicht um die Droge, sondern tatsächlich um den Geschmack geht. Auch, dass viele Kaffeetrinker die entkoffeinierte Variante bevorzugen, unterstreicht diese Behauptung.

Café Zeman, Brno/Czech Rep. 1926 erbaut, Architekt: Bohuslav Fuchs

Café Zeman Replika, 1995 wiedereröffnet

Aber warum diese besondere Aufmerksamkeit? Warum Kaffeehausarchitektur, warum so viele Paläste für Kaffeetrinker, während die feinen und eleganten Weintrinker ihrem Genuss im Keller frönen? Was ist es, das Kaffee so außergewöhnlich macht?
Es war ein Teehändler aus Berlin, der mich darauf aufmerksam machte, dass in den Teeländern die Menschen eher zu einem ruhigen, meditativen und langsamen Lebensrhythmus neigen, während in den Ländern, in denen überwiegend Kaffee wächst, die Völker lebendiger seien. Sie tanzten mehr, sie zeigten ihre Energie auf physischer Ebene und hätten mehr Temperament. Kaffee scheint eine besondere Zusammensetzung zu haben und womöglich auch die Erde der Länder, in denen er wächst.

Laut Dr. Michael J. Breus, einem Schlafspezialisten, der den Insomnia-Blog betreibt, scheint mancher Nutzen des Koffeins nur im Koffein von Kaffee auffindbar zu sein. Das heißt u. a., dass die Wirkung des Koffeins im Tee wohl eine andere haben muss, als die des Koffeins im Kaffee. Im Zusammenspiel mit der gesamten Kaffeezusammensetzung kann das Koffein bei regelmäßigem, aber mäßigem Kaffeegenuss beispielsweise das Risiko eines Schlaganfalls verringern.

Hunderte von Studien in unterschiedlichen Feldern der Wissenschaften haben wiederholt Beweise für den gesundheitlichen Nutzen und für medizinische Vorteile geliefert. Die Liste des Nutzens in anderen Bereichen ist nicht kürzer. Kaffee dient z. B. als Luftreiniger, wird als Tinte für Drucker eingesetzt, als Kompost für spezielle Pilze, als aktiver Wirkstoff gegen Haarverlust. Mit Kaffeeresten werden Möbel produziert oder in Japan Bäder genommen.

Und immer noch gilt die Frage: Warum Kaffee? Ich wage zu antworten, dass Kaffee nicht nur eine außergewöhnliche chemische Verbindung für den Nutzen in der Medizin ist. Seit vielen Jahren besuche ich Kaffeehäuser in verschiedenen Ländern und Städten, und es fällt mir auf, dass sie nicht nur eine große Auswahl an untrinkbarem Kaffee und magischen Tropfen anbieten, sondern dass man in vielen dieser Häuser die Gäste beobachten und die unterschiedlichen Gründe erkennen kann, warum deren Anwesenheit nicht nur vom Geschmack des Kaffees abhängig ist. Sie lesen so viele Zeitungen und Magazine wie sie wollen, sie verschlingen Auskünfte, sogar Kultur. Sie mögen Paare, Kellnerinnen oder den Fluss auf der Straße durch die Fenster beobachten, aber sie genießen zugleich das Alleinsein in einem manches Mal riesigen und abgelegenen Raum. Vielleicht liegt eine eigene depressive Einsamkeit zugrunde, die im Kaffeehaus weder jemand stören noch allein lassen wird. All das immer bei einem Kaffee.

Seit langem zelebrieren wir Kaffee, während wir uns selbst zelebrieren. Dabei versinken wir in Kaffeerausch und Genuss, ohne dabei zu merken, wie sehr wir doch diese wunderbaren gerösteten Kerne feiern und keinesfalls uns selbst. Wenn wir uns der anfänglich kurz rekonstruierten Kaffeegeschichte entsinnen und betrachten, welche internationale Macht Kaffee als zweitwichtigster Rohstoff der Welt hat, und wenn wir anerkennen, welche wichtige Rolle dieses Produkt in der Welt des Genusses hat, müssen wir zugeben, dass Kaffee etwas ganz Großes ist. Dutzende von Heißgetränken und über hundert Kaltgetränke werden Kaffee genannt. Und das Potenzial von Kaffee mit Gewürzen ist noch lange nicht ausgeschöpft worden, wir haben kaum die Oberfläche berührt.

Eine Reihe von Kaffeekulturen haben in ihren eigenen Reichen großen Erfolg. Italien ist nicht Italien ohne seinen Kaffee, seine Maschinen, seinen Espresso, seine Kaffeepaläste und Baristi, sein Kaffeedesign und seine Kaffeetechnologie. Wien ist nicht Wien ohne seine Kaffeehäuser und seine Melange, die Zeitungen und den Apfelstrudel. Die Türkei ist nicht die Türkei ohne ihren Mokka, und Kaffee ist nicht Kaffee ohne die „dritte Welle“, die wir seit gut drei Dekaden wachsen sehen. Solche Leidenschaft, Verpflichtung und zum Teil Ausbeutung von Kaffee – als Spezialität und weniger als routinemäßigen Wachmacher – zeigt deutlich, wie groß Kaffee in der Tat ist.

Penny University, London, May 2010

Dennoch, über diese Welle und den vielschichtigen Umgang hinaus gibt es eine sehr konzentrierte Einstellung zum Kaffee: zurück zum Kaffee – eine Reduktion. Im Gegensatz zu den Penny Universities des 18. Jahrhunderts hat sich die neue Penny University in London, Kaffeebar des Square Mile Coffee Roasters, für Expansion durch Konzentration entschieden und für eine recht extravagante Reduktion. Es ist fast asozial! Nur sechs Personen finden dort Platz. Keine Milch. Kein Espresso. Penny University hat „nur“ eine Heißwasserquelle (Über boiler) und zurzeit 3 Kaffees auf der Karte, die mit dem „flannel drip“, mit dem „V60 pour over“ und einem Siphon zubereitet werden.

Penny University scheint einfach eine bescheidene Antwort auf die Frage „Warum Kaffee?“ zu sein. Die Idee mag dreist erscheinen, snobistisch sein, mag einer religiösen Aussage ähneln, taktisches Geschäft sein, oder sie kann auch als großes Zeichen des Respekts gegenüber Kaffee und womöglich als ehrlichstes Zeichen angesehen werden.
Mit “Extrovertierter und introvertierte Espresso” dachte ich deutlich erkannt zu haben, dass ein „einfacher“ – obwohl stolzer – italienischer Barista als introvertiert gelten kann, wenn man ihn mit einem anderen Barista vergleicht, der vor einer Synesso-Maschine steht und nicht 7, sondern 14 oder mehr Gramm für einen Espresso verwendet und mit vielen studierten Bewegungen das Kaffeemehl mit dem Tamper runterdruckt. Nun muss ich es ein wenig überdenken.

Vielleicht sind James Hoffmann und Tim Williams von der Penny University, mit einem italienischen Barista verglichen, die wahren introvertierten Kaffeesieder. Und allein sind sie nicht, auch die Ersten sind sie nicht. Sekiguti Itirou (oder Sekiguchi Ichiro) serviert und röstet Kaffee seit über 60 Jahren in seinem Café de L’Ambre in Tokyo, wo er mit 96 Jahren immer noch täglich an der Rösttrommel steht. Weder Espresso noch Kaffeemaschinen kann man bei ihm finden. Mehr und mehr Kaffeetrinker – unter anderen ‘Experte’ wie Scott Rao und Jeffrey Steingarten – erkennen, dass Espresso ein wunderbares Getränk ist, aber weder das einzige, noch das beste.

Treten wir langsam in die vierte Welle ein?

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Siehe auch:
• “Ristretto” in the New York Times by Oliver Strand
• “Everything but Espresso” by Scott Rao
• “Brewed Awakening” in Vogue by Jeffrey Steingarten

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Doppelter Ristretto im Weinglass

Doppelter Ristretto mit Milchschaum im Weinglass

 

Heute besuchte ich eins meiner Lieblingscafés mit einer Lieblingbarista, der mir in der Regel das serviert, was ich an Sonderwünsche äußere. Dort trank ich das erste Mal ein Kaffee aus einem Weinglas und dieses Glas wollte ich heute wieder erleben. Es ist anders für die Nase, für den Blick und, wenn die Mischung stimmt, ist es auch für den Gaumen besonders gut. Nicht um sonst sah man früher den Kaffee als Wein. Heute scheint das wieder mehr der Fall zu sein.  

Ich bestellte einen doppelte Ristretto und ein wenig Milch und Milchschaum. Etwa 2 Teile Kaffee zu 3 Teile Milsch/Milschschaum. Der Milschschaum ist meines Erachtens extrem wichtig. Es reicht nicht dass das Milch-Kaffee Verhältnis stimmt, aber dass bei so ein Getränk, der Schaum die richtige Textur hat, die für den Geschmack notwendig ist.  

Black Delight in Hamburg bleibt ein Ort, wo man Kaffee trinken soll.  

Doppelter Ristretto mit Milchschaum im Weinglass

 

Doppelter Ristretto mit Milchschaum im Weinglass

Die Peripherie des Geschmacks

 

Vor etwa 7 Jahren nahm ich an einem Symposium mit sechs Künstlern teil. Einer von ihnen konzipierte den Rahmen des Symposiums und hatte uns eingeladen an dieser mehrtägigen Veranstaltung teilzunehmen. Einer der Eingeladenen war der belgische Maler Filip Francis. Francis ist aus den 70er und 80er Jahren bekannt, als er vor allem gemalt und Performances gemacht hat. Sein Hauptkonzept ist das Thema der Peripherie.

 

Hierfür fixiert er beim Malen seinen Blick mit Schärfe und Genauigkeit auf einen bestimmten Punkt des gesamten vorhandenen Motivs, malt aber dieses in ihrer Ganzheit. Sieht man dann seine Reproduktion auf der Leinwand, ist das Teil des Motivs, das er fixierte, mit scharfer Genauigkeit wieder zu erkennen. Doch je entfernter man vom fixierten Punkt schaut, desto unschärfer werden alle Linien und Konturen auf dem Bild. Das Schöne bei seiner Arbeit ist zu sehen, wie das Scharfe sich graduell ins Unscharfe verwandelt, alles innerhalb eines einzelnen Bildes. Das Kritische ist aber auch darin verkörpert, denn unsere peripherische Fähigkeiten werden damit geprüft. Es stellt sich die Frage, nicht wie weit, sondern wie breit können wir sehen? Selbstverständlich kann man als Betrachter das malerische Können des Künstlers genießen und bewundern. Als viel interessanter vernehme ich dennoch die Idee der Darstellung eines Hinsehens bezüglich der Peripherie und die Übung zur peripherischen Erweiterung. Hierfür könnte man versuchen (mehr…)

Verweildauer als philosophische Messung

Ihr Mund war ihr Heiligtum. Wenn es um Gelüste und die Liebe ging, alle anderen Teile ihres Körpers waren willig und frei. Julia Roberts küsste nicht.

Und wenn wir uns über der Umgang der Menschen mit der Philosophie beschweren wollten, dann eher über der Mangel am Philosophieren und philosophisches Leben, als über ein Bagattelisieren und überstrapaziertes Nutzen des Wortes. Im Mund fängt die einzige Philosophie an, die uns physisch am Leben erhält. Es ist diese kleine Kammer, in der sich Zunge, Speichel und Gaumen befinden und gemeinsam wesentliche Entscheidungen mitlenken, was reinkommen darf und was draußen bleiben muss. Hier fangen sie alles auf und entscheiden innerhalb von Sekundenfragmenten an Hand von Wissen und Prüfungen, was ihnen lieb bzw. nicht lieb ist. Im Mund wird auch die Wirkung mitentschieden, die Essen und Getränke auf den Körper haben werden, schon bevor sie diesen in Richtung (mehr…)

Wasser – zum Kaffee und im Kaffee

Über Wasser kann man Bände schreiben und noch viel mehr als auf Büchern, eigenständig mit Haut, Haar, Nieren und vieles mehr erleben.

Über Wasser sah ich unlängst ein interessanter Dokumentarfilm von Udo Maurer, wo unterschiedliche Umgänge mit Wasser dargestellt wurden. “Über Wasser” hiess dieser. Da wurden die sehr unterschiedliche Rollen des Wassers dargestellt, die für verschiedene Völker zutreffen. Da wird einem klar, Westen ist nicht der Nabel der Welt. In “Über Wasser” werden 3 Geschichten behandelt, drei Notwendigkeiten dargestellt mit 3 sehr (mehr…)

Kaffeeöl und Verwässerung ° Coffee oil and watering

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Verwässerung ist bei der Kaffeezubereitung die allgemeine Tendenz.

Aber die Hauptstufen zum Kaffeegenuss sind Kaffeeöl (auch Aristippos Schwarz genannt), Ristretto und schließlich Espresso.  (mehr…)

Genuss: Zwischen Essen und Rausch

Genuss ist ein weites Spektrum, das aber weder an einem Bereich ankommt, wo man frisst und sich vor Freude nicht mäßigen kann, noch im Bereich der Obsession.

Etymologisch hat das Wort Genuss/Genießen ihr Wurzeln in das Nützliche, also ein weiter gehenden Begriff. Den Satz, „ich habe eine gute Erziehung genossen“ beleuchtet dies. Heute wird den Begriff eher mit Lust in Verbindung gebracht, ein Lust-Nutzen, wenn man so will.

In Sachen Gastronomie ist Genuss eine Linie (mehr…)

denk über Deiner Kaffeebilder hinaus…

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koste über Deiner Zunge hinaus

dies IST Kaffee